Schiffsprojekt der Kita Heiligkreuz

Im Oktober 2016 entwickelte sich in unserer Kita Heiligkreuz in Trier durch das Interesse der Kinder ein spannendes Projekt. Unser Schiffsexperte Till, der sich schon sehr lange für Schiffe interessiert, fragte die Kinder im Morgenkreis, ob sie Lust hätten an einem "Schiffsprojekt" in der Kita teilzunehmen und mehr über Schiffe zu erfahren. Spontan meldeten 20 Kinder ihr Interesse daran an und wir gingen am 28. September 2016 zusammen an die Mosel, in der Hoffnung auf unserer heimischen Wasserstraße ein paar Schiffe zu sehen.

Am Moselstrand beim Anleger der Feuerwehr Trier verbrachten wir die Zeit des Wartens mit einem Picknick, Muscheln sammeln und Steine in die Mosel werfen. Ein Schiff kam jedoch nicht vorbei... Nachdem wir uns die grünen und roten Bojen in der Mosel und die Verkehrsschilder für die Schiffe genauer angeschaut haben, hatten wir auf dem Rückweg doch noch Glück... Endlich kam ein Schiff! Jedoch nur ein ganz kleines 1-Personen Kajak. Vor Freude, dass wir endlich ein Schiff entdeckt haben, jubelten und winkten die Kinder dem Kajakfahrer zu, der auch freudig zurück winkte. Kurz später entdeckten wir dann doch noch ein richtig großes Schubschiff und beobachteten es auf seiner Fahrt Richtung Staustufe. Die Kinder erkannten am Schiff den Anker, die Fahne, den Radar, den Laderaum, das Auto, das auf dem Schiff mitfuhr, das Beiboot und vieles andere mehr...

Zurück in der Kita waren die meisten Kinder vom "Schiffsfieber" gepackt und wurden nach weiteren Interessen und Ideen zum Thema befragt. Aus den Ideen der Kinder entwickelte sich dann der weitere Projektverlauf.

Zuerst wollten wir unser Wissen über Schiffe erweitern und wir errichteten im Kreativraum eine Bücherecke mit vielen verschiedenen Büchern über Schiffe, die die Kinder teilweise von zu Hause mitbrachten oder aus der Schul-Bücherei ausgeliehen wurden. Jeden Tag haben sich die Kinder die Bücher angeschaut, wir haben daraus vorgelesen und die Kinder wollten sich selbst aus Milchpackungen Schiffe basteln, wie sie es in einem der Bücher gesehen haben.

In der extra dafür errichteten Schiffsbastelecke, unserer "Schiffswerft", entstand nach und nach eine richtige Flotte von unterschiedlichen Schiffen, die immer weiter entwickelt wurden. Die selbst gebastelten Schiffe wurden dann sogar in unserem Wasserbecken auf ihre Schwimmfähigkeit überprüft. Unser Schiffsexperte Till brachte von zu Hause einen richtigen Schiffsmotor von Playmobil mit, mit dem die Schiffe dann sogar im Wasser fahren konnten, was wir allen Kindern in der Vollversammlung vorführten.

Im Rollenspielraum haben die Kinder in unserem alten Holzspielschiff tagtäglich Kapitän und Matrosen gespielt, was mit den mitgebrachten Rettungswesten und Fendern, der Kapitänsmütze, dem Anker und dem Rettungsring gleich doppelt Spaß machte. Im Bauraum bauten sie aus Lego täglich neue Schiffe und spielten mit den selbstgebastelten Milchtütenschiffen. So konnten sie das Thema "Schiffe" auf unterschiedliche Weise ganzheitlich erfahren und erleben.

Als ich erzählte, dass es ganz in der Nähe den Schiffsmodellbau-Club Trier e.V. gibt, der am Weiher seine ferngesteuerten Schiffe fahren lässt, waren die Kinder sich schnell einig, dass wir da mal hin müssen. Herr Dejon aus dem Vorstand des Schiffsmodellbauvereins hat uns am Donnerstagnachmittag, 27.10 2016 zum freien Training an den 3. Weiher hinter dem Südbad eingeladen. Er zeigte uns gemeinsam mit seinen Vereinskollegen viele verschiedene selbst gebaute Schiffsmodelle und ließ sie auf dem Weiher fahren. Besonders spannend war für die Kinder, dass sie die Schiffe sogar selbst mit der Fernbedienung steuern konnten. Das absolute Lieblingsschiff war der Seenotrettungskreuzer, welches das größte Schiff der Modellbauer war und sogar Wasser aus den Wasserwerfern spritzen konnte. Dieser ferngesteuerte Seenotrettungskreuzer entfachte großes Interesse an den Seenotrettern und wir betrachteten vermehrt Bücher über Seenotrettungskreuzer, u.a. dem Jahrbuch der Seenotretter, das ich vom Urlaub an der Nordsee mitgebracht habe. Sie haben sich sehr für die Arbeit der Seenotretter interessiert und immer wieder die Bilder von den verunglückten Schiffen und deren Rettung angeschaut.

Auch das Schicksal der Titanic, die 1912 einen Eisberg rammte und unterging, beschäftigte die Kinder sehr und es war immer wieder Thema warum zu wenig Rettungsboote an Bord waren.

Am 09. November 2016 setzten wir dann den Vorschlag der Kinder ein Polizeiboot zu sehen, in die Tat um. Wir sind mit dem Bus zum Hafen der Wasserschutzpolizei kurz hinter der Staustufe gefahren. Am Tor warteten bereits Herr Reiter und Frau Kölling von der Polizei auf uns und fuhren mit ihrem Polizeiauto vor in das Hafengelände. Dort zeigten sie uns zunächst zwei Schiffe im "Trockendock", wo wir uns das ganze Schiff mit der Schiffsschraube anschauen konnten. Dann war es endlich soweit! Im Hafen lag das Polizeiboot. In zwei kleinen Gruppen durften wir nacheinander sogar auf das Schiff gehen und die beiden Polizisten zeigten das ganze Schiff von innen. Herr Reiter zeigte das Steuerrad, das Radar, das Echolot, das Sonar, das Funkgerät, den Schalter für das Blaulicht, die kleine Küche und die Toilette an Bord. Außerdem erzählte er uns von der Arbeit der Wasserschutzpolizei und zum Schluss gab es für jedes Kind noch eine Überraschung - einen Polizei-Schlüsselanhänger. Dieser Ausflug zur Wasserschutzpolizei war für alle ein besonderes Erlebnis!

Durch die vielen Plakatwerbeflächen, auf denen im Dezember 2016 überall in Trier ein Seenotrettungskreuzer in tosenden Wellen und das Sammelschiffchen zu sehen waren, hatten die Kinder die Idee für die Seenotretter Geld zu spenden. So nutzten wir die Nikolausfeier in unserer Kita um für die Seenotretter im Sammelschiffchen Geld zu sammeln. Wir verkauften selbstgebackene Schiffsplätzchen und Seenotretterbrot, Buttons, Tattoos, Luftballons und Ausmalbilder von den Seenotrettern. So sammelten wir insgesamt 167,50 € für die Seenotretter!

Das gefüllte Sammelschiffchen überreichte Tim bei der Taufe des neuen Seenotrettungskreuzers "BERLIN" am 17. Dezember 2016 in Bremen an Vormann Michael Müller, der sich im Namen der Seenotretter herzlich bedankte. Als kleines Dankeschön für euren Einsatz haben wir euch allen eine Schiffskarte mit Tauf- und Bordstempel von der neuen "BERLIN" mitgebracht.

In der Kita erzählte Tim dann alles ganz genau von der Schiffstaufe und wir schauten uns gemeinsam die Fotos von der Übergabe unseres Sammelschiffchens an. Zur großen Freude aller, hat unser Förderverein der Kita ein neues Holzspielschiff gesponsert, das in der Bärengruppe aufgebaut wurde.

Da alle Kinder von der Schiffstaufe des neuen Seenotretters "BERLIN" so begeistert waren, haben wir gemeinsam beschlossen, unser neues Spielschiff auch zu taufen. Wir sammelten Namensvorschläge und es wurde abgestimmt, das unser Spielschiff auch auf den Namen "BERLIN" getauft werden sollte.

Zum krönenden Abschluss unseres Schiffsprojektes haben wir mit den Kindern und Eltern zusammen am 10. Februar 2017 im Rahmen der Vollversammlung die Schiffstaufe gefeiert. Taufpate unserer "BERLIN" war natürlich unser Schiffsexperte Till, der die Idee für das Schiffsprojekt hatte. Unterstützt wurde Till von seinen Freunden Noah und Connor. Anstelle der sonst bei Schiffstaufen üblichen Sektflasche, brachte Till mit einer Nadel einen Luftballon zum Platzen, der mit Glitzersternen gefüllt war.

Till's Taufspruch: "Ich taufe dich auf den Namen BERLIN!"

Noah's Taufspruch: "Ich wünsche dir immer eine gute Heimkehr!"

Connor's Taufspruch: "Ich wünsche dir immer eine (halbe :-) Hand breit Wasser unter dem Kiel!"

Alle zusammen: "3-2-1- SCHIFF AHOI !!!"

Nachdem der Luftballon zerplatzte und 2 "Partyknaller" Konfetti verstreut waren, ahmten einige Kinder die Schiffshupen mit dem Pusten in Flaschen nach. Im Rahmen der Schiffstaufe führten einige Kinder in dem neuen Spielschiff einen Wikingertanz vor und wir haben gemeinsam unser selbst  umgedichtetes Lied "Wir sind die Seenotretter, oh" gesungen.

Nach dem Verzehr der selbst gebackenen Schiffs- und Ankerplätzchen, die alle mit dem Namen "BERLIN" verziert waren, haben wir die Schiffstaufe noch singend und tanzend mit dem Seenotrettersong von Klaus Lage gefeiert: "Volle Kraft voraus!"

Bei dem Projekt stand natürlich der Spaß und die Freude an der gemeinsamen Erarbeitung des Themas im Vordergrund. Das Selbstbewusstsein und die Sozialkompetenz wurde durch die gemeinsame Erarbeitung und den Einsatz für Andere durch das Sammeln von Spenden gefördert. Ganz nebenbei haben wir das Wissen über die Schifffahrt erweitert und vertieft. Durch die Beschäftigung mit einem bestimmten Thema über einen längeren Zeitraum wurden Konzentration, Merkfähigkeit und Ausdauer gefördert. Die sprachliche Ausdrucksfähigkeit und der Wortschatz wurden durch das Kennenlernen von schiffsspezifischen Begriffen erweitert. Darüber hinaus haben wir Vereine und Berufsgruppen unserer Heimatstadt Trier kennengelernt, die auf unterschiedliche Weise mit der Schifffahrt verbunden sind. Durch deren örtliche Nähe und Präsenz bleiben den Kindern die schönen Erlebnisse unseres Schiffsprojekts hoffentlich noch lange in Erinnerung.

Es hat mir viel Spaß mit euch gemacht,
Kerstin Jager