Katholischer Kita-Träger in Trier setzt auf Wachstum und Integration

(Bericht Trierischer Volksfreund, erschienen am 02.02.2017)

Über die Kita und die Schule finden Flüchtlingskinder oft schnell Anschluss in der neuen Heimat. Symbolfoto: dpa Foto: Arno Burgi (h_st (dpa)

Die KiTa gGmbH zählt nun 152 Einrichtungen. Der katholische Träger setzt auf Integration.

 

Der kleine Ali kann es am Morgen gar nicht erwarten, in den Kindergarten zu kommen. Besonders wenn er dann mit seinen neuen Freunden und Freundinnen im Kreis sitzt und mit ihnen auf orffschen Instrumenten Takt hält, glänzen die Augen des Jungen, der mit seinen Eltern aus Syrien bis in die Region Trier geflüchtet ist.

In 98 der 152 Einrichtungen der katholischen KiTa gGmbH sind solche Szenen nicht ungewöhnlich. "Wir sind sehr offen für Kinder aller Religionen und Nationen", sagt Cordula Scheich, die gemeinsam mit Konrad Berg die KiTa-Geschäfte führt. Von 301 der insgesamt 13.000 betreuten Kinder sei ein Fluchthintergrund bekannt. "Sie sind hier willkommen. Wir sind oft auch für deren Familien so etwas wie ein Eingangstor in das gesellschaftliche Leben."

Nachdem die gemeinnützige Gesellschaft zum Beginn des Jahres den Betrieb von weiteren 16 Kindertagesstätten übernommen hat, die bisher von Kirchengemeinden geführt wurden, ist zumindest in Trier, Birkenfeld und Bernkastel-Wittlich das Ende des Wachstums erreicht. Mit einem Umsatzvolumen von voraussichtlich 116 Millionen Euro im Jahr 2017 ist die KiTa gGmbH auch nach Einschätzung von Cordula Scheich "eine riesige Kapitalgesellschaft". Gesellschafter sind das Bistum Trier und die Kirchengemeinden, die den Betrieb ihrer Kitas übertragen haben.

Wegen des gesetzlichen Anspruchs auf einen Betreuungsplatz ist das Angebot für Kinder unter drei Jahren in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweitert worden. Fast jeder vierte Betreuungsplatz ist nach Aussage von Scheich derzeit dafür vorgesehen. 580 sind Krippenplätze. Für berufstätige Eltern besonders attraktiv sind die 7.000 Plätze, für die eine Ganztagsbetreuung garantiert ist.

Vor allem die Betreuung der ganz jungen Kinder verlangt mehr Personal als in der Vergangenheit. "Es gibt bei Erzieherinnen generell einen Fachkräftemangel", weiß Geschäftsführerin Scheich. Die Frage nach offenen Stellen beantwortet sie daher eindeutig: „Wir brauchen grundsätzlich zusätzliches Personal.“

Die besonders geschulten Integrationsfachkräfte, die sich um Kinder wie Ali und deren Familien kümmern, gebe es noch nicht in allen Einrichtungen. „Allerdings haben wir viele Kitas, in denen schon immer Kinder unterschiedlicher Nationen betreut wurden.“

Damit das so bleibt, setzen die Einrichtungen auf die Zusammenarbeit mit Vereinen und Partnern in einem Willkommensnetzwerk. Durch kontinuierliche Fortbildung und Netzwerkarbeit nach innen und außen sei es gelungen, die Kitas als Orte für Integration und Inklusion von Familien mit Fluchterfahrung zu etablieren.

Die Geschäftsführer der im Jahr 2000 gegründeten KiTa gGmbH schließen nicht aus, dass die Trägergesellschaft weiter wachsen wird. "Wir werden alles daran setzen, damit die Rahmenbedingungen für die Arbeit in unseren Kitas gut bleiben und besser werden", benennt Cordula Scheich das wichtigste Ziel für die Zukunft. "Die Kinder sollen auch in Zukunft dort betreut werden, wo sie wohnen."

EXTRA:
Einer der größten Arbeitgeber

Die katholische KiTa gGmbH ist mit 3.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber in der Region Trier. Sie ist die gemeinnützige Trägergesellschaft von 152 katholischen Kindertageseinrichtungen im Bistum Trier. Das sind in den Bereichen Trier, Bernkastel-Wittlich und Birkenfeld alle Kitas, die sich bislang in der Trägerschaft von Kirchengemeinden befanden. Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm, und den Kreisen Trier-Saarburg, Vulkaneifel und Cochem-Zell verwaltet sie zahlreiche Kitas.

Weitere Eckdaten: 13.000 Betreuungsplätze, davon 7.000 Ganztagsplätze. Geschätztes Umsatzvolumen 2017: 116 Millionen Euro. Derzeit werden 301 Kinder mit Fluchterfahrung in 98 Einrichtungen betreut.

 

© Text: Trierischer Volksfreund (Rainer Neubert)
© Bild: Symbolfoto: dpa  Foto: Arno Burgi (h_st (dpa)